Seit 2016 prämiert die Hessen Design Competition herausragendes Design und unterstützt junge Designer:innen bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer zukunftsorientierten Konzepte.
Preisverleihung: 24.10.2026 im Designhaus Darmstadt mit anschließender Ausstellung.
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» Gewinner:innen 2026
Sidney Gschwender / Hochschule Darmstadt / Projekt: „Terms & Conditions“
Sidney Gschwender entwickelte im Rahmen seiner Diplomarbeit im Studiengang Kommunikationsdesign an der Hochschule Darmstadt die raumgreifende Installation „Terms & Conditions“. Sein Projekt macht die ungeschriebenen Bedingungen unseres Lebens sichtbar, indem es sie in die vertraute Sprache digitaler Allgemeiner Geschäftsbedingungen übersetzt. Auf vier Bahnen Neonpapier begegnen den Besucher:innen rund 214.000 Wörter fiktiver Lebens-AGB über Familie, Herkunft, Körper, Arbeit, Beziehungen, Krankheit und Verlust. Was online meist ungelesen weggeklickt wird, wird in der Installation körperlich erfahrbar: Wer den Raum betritt, stimmt bereits einer Bedingung zu. So macht seine Installation sichtbar, wie selbstverständlich wir Bedingungen akzeptieren, ohne sie bewusst zu verstehen oder zu hinterfragen. Dabei untersucht sie, wie Zustimmung entsteht, welche Rolle Macht und Dark Patterns spielen und welche unsichtbaren Bedingungen unseren Alltag und unsere Beziehungen prägen.
Henriette Kolléra / Hochschule Darmstadt / Projekt: „weich und wütend“
Henriette Kolléra aus dem Bereich Kommunikationsdesign an der Hochschule Darmstadt entwickelte im Rahmen ihrer Diplomarbeit das Projekt „weich und wütend“, das sich kritisch mit dem traditionellen Designverständnis und der Rolle von Frauen in der Designgeschichte auseinandersetzt. Im Zentrum steht die modulare, rasterbasierte Schrift „Neue Latent“, die in gestrickten Textilien umgesetzt wird und feministische Aussagen visuell verschlüsselt. Dabei verbindet Kolléra Typografie mit traditionellem Textilhandwerk und knüpft an historische textile Kommunikationsformen von Frauen an. Ergänzt wird die Arbeit durch eine Projektdokumentation in Buchform, die Recherche, Konzept und Entwicklungsprozess zusammenführt. Die bewusst in kleinen Mengen produzierten Baumwollstoffe sind langlebig und können anschließend weiterverarbeitet werden.
Lennard Ludwig / HGF Offenbach / Projekt: „Ephemera:rbol"
Lennard Ludig von der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG Offenbach) entwickelte einen innovativen Ansatz zur Unterstützung neu gepflanzter Stadtbäume. Sein Entwurf überträgt das Prinzip natürlicher Tiefenwurzelung auf den urbanen Raum und kombiniert Stabilisierung, Bewässerung und Nährstoffversorgung in einem textilen Implantat aus Hanf und Schafwolle. Das System unterstützt den Baum dabei, schnell eine tiefe und eigenständige Wurzelstruktur auszubilden und reduziert gleichzeitig den Pflegeaufwand sowie den Wasserverbrauch. Besonders konsequent ist der Ansatz der Kreislauffähigkeit: Das Implantat ist nach dem Prinzip „Design to Decay“ auf eine Lebensdauer von drei bis fünf Jahren ausgelegt und zersetzt sich anschließend vollständig im Boden.
David Wellen / HFG Offenbach / Projekt: „ARCO“
David Wellen entwickelte im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG Offenbach) den Fahrrad-Montageständer ARCO für professionelle Fahrradwerkstätten. Der Entwurf stellt den klassischen Montageständer grundlegend infrage und schafft durch einen beweglichen, zweiachsig drehbaren Greifarm mehr Bewegungsfreiheit und ergonomische Arbeitsmöglichkeiten. Dabei verbindet ARCO Funktionalität, Langlebigkeit und eine wertschätzende Gestaltung für Zweiradmechatroniker*innen. Auch Aspekte der Nachhaltigkeit spielen eine zentrale Rolle: Recycelte Metallwerkstoffe, kurze Produktionswege und eine reparaturfreundliche Konstruktion sollen eine möglichst lange Lebensdauer und Kreislauffähigkeit des Produkts ermöglichen.
Anerkennung / „Projekt von gesellschaftlicher Relevanz“:
Maike Müller / Hochschule Darmstadt / Projekt: „Widerstandslose Glätte“
Maike Müller aus dem Bereich Kommunikationsdesign an der Hochschule Darmstadt entwickelte im Rahmen ihrer Diplomarbeit das Projekt „Widerstandslose Glätte“, das sich mit der zunehmenden digitalen Reizüberflutung und dem Verlust tiefer Aufmerksamkeit auseinandersetzt. In einem Ausstellungsprojekt verbindet sie handgestickte Grafiken, Skizzenbücher, eine Zitatesammlung und persönliche Texte mit einer interaktiven Audioinstallation. Besonders spannend ist das Zusammenspiel von analoger Handarbeit und digitaler Technik: Die Audioinstallation reagiert nicht auf Knopfdruck, sondern erst auf die bewusste Anwesenheit und das längere Verweilen der Besucher*innen. So schafft das Projekt einen Raum für Langsamkeit, Aufmerksamkeit und bewusste Wahrnehmung und setzt einen Gegenpol zur ständigen Beschleunigung des digitalen Alltags.